Samstag, 19. November 2011

Heiße Luft in Tüten

Luftballons. Ich mochte sie nie, weder als Kind noch jetzt. Ihr Zweck erschließt sich mir nicht. Ich meine: wozu sollen sie gut sein? Es sind bunte Gummihüllen voller Luft. Was sie transportieren, ist ausgeatmete Luft. Im Prinzip Abfall – es sei denn, man ist ein Baum.
Dann kann man sie als Notreservoir betrachten. Ansonsten aber ist es doch so, dass man mit diesen Dingern nichts anfangen kann. Sie sind hoffnungslos überfrachtete Symbole einer „glücklichen Kindheit“, suggerieren einem eine heile Welt und produzieren letztlich nur Müll. Ja, man kann mit ihnen die Elektrostatik demonstrieren. Und ab und zu kann man mit ihnen spielen. Wenn man ein Kind oder besoffen ist. Aber für diese Zweckerfüllung würde ein Zehntel dessen an Luftballons genügen, was jetzt produziert wird.
Ich kann Luftballons nicht leiden. Und ich habe sie vermieden, solange es ging.
Aber seit ich Kinder habe, sieht meine Welt anders aus. Fröhlich bunte Farben schreien mich aus allen Ecken des Hauses halbverschrumpelt an. Sie brüllen aber nicht etwa „Hol endlich die Schere und mach mich weg!“, nein, sie schreien „Du herzlose Mutter, gönnst deinen Kindern nicht die winzigste Freude! FREU Dich gefälligst, dass sie so leicht glücklich zu machen sind!“
Ich falle morgens vor dem ersten Kaffee über Luftballons mit Krankenkassenaufdruck (wenn man werben will, sollte man lieber den zahlungsfähigen Kunden im Blick haben. Das sind selten die Kinder….), hole beim Staubsaugen geschrumpfte Katzengesichter unter dem Sofa hervor oder weiche um die Ecke swirschenden unbekannten Flugobjekten aus, weil die Luftballons ja „so schön sausen!“.
Nun, bis jetzt könnte man diesen Vorspann als Gejammere abtun – er hat aber eine weitaus größere Bedeutung. Er klärt auf über die menschliche Psyche. Die meine und die meiner Kinder. UNd sicher Millionen anderer auch........
Denn seit heute wissen meine Kinder, wo Luftballons wohnen. Wo es sie gibt. Ganz umsonst. Oder fast umsonst.
Wir waren auf einer Messe. Damit sich der Eintritt lohnt, sogar auf dreien. Und überall gab es Luftballons. Aufgeblasen, mit Gas gefüllt, händeweise als schlaffe Hüllen, versteckt in irgendwelchen großzügig ausgestattet wirkenden Taschen (die auch wieder in den Müll wandern, ich sehe es kommen) – und dennoch MOCHTE ich sie.Ansatzweise.
Weil ich das Gefühl hatte, dass sich „der Eintritt denn gelohnt hat!“ – schließlich nahmen wir was mit nachhause. Einen Turnbeutel beispielsweise mit dem Aufdruck einer nicht ganz günstigen Schuhfirma. Gefüllt war der Beutel mit 10 Luftballons in übertrieben fröhlichen Farben und einem nicht minder übertriebenen Geruch nach Latex und Talkumpuder. Ferner 18 Bleistifte mit einem aufgesetzten Radiergummi an jedem Stiftende. Einem hüpfenden Flechtflummi, der beim Aufkommen auf den Boden eine LED-Leuchte aktiviert und blinkt, als wolle er Taschendisco spielen. Zudem noch ein Turnbeutel mit Werbeaufdruck, einem Schaumstoffball mit Werbeaufdruck. Einem Gutschein für das Verkaufsportal www.4little.de (Code: Babywelt 11, gern geschehen), Weihnachtsgeschenkewerbung und einem Produktführer. Toll, ne? Und das Ganze dann zweimal – wegen des Flummis, weil es sonst Streit gibt!
Es blieb nicht bei diesen Ballons. Auch eine große Drogeriekette gab sie freimütig aus. Und dazu immer Tüten - man kann sie ja mal brauchen! - voller Luft und Ballons. Ein Babywarenladen, ein Kleidergeschäft, eine Gebärdensprachenschule (für Babys…. – die KÖNNEN doch schon Zeichensprache…) - überall Luftballons - und Kulis. 
Dann diese FREUDE aller über das Dasein, das Kindsein, das Sein an sich.
Ich konnte mich kaum halten. Vor Freude. Dass ich letztlich dann doch nicht nur Eintritt gezahlt habe, sondern was wirklich Sinnvolles mitnehmen durfte (ehrlich). Einen Schlüsselanhänger mit Knisterohren. Zahnbürsten mit Krankenkassenaufdruck. Ein Waschgel (ich sollte nicht so viel mit fremden Leuten reden...). Drei Puddingdesserts. Eine Babyflasche. Zeitschriften......  ah - ein Coverfoto meines Kindes auf der Eltern. Montiert, nicht echt, aber echt schön.
Und glückliche Kinder, die hinten mit drei Luftballons den Blick aus dem Rückspiegel verstellten....Das ist doch mal was……UNBEZAHLBAR! Danke, liebe Luftballonhersteller und Messeverteiler!

Kommentare:

  1. Sehr schöner Artikel, zwar mit wenig Sinn, aber doch habe ich schmunzeln müssen; jedenfalls über die 'sinnentleerten', luftigen Hüllen.

    Sorry, hierbei geht es eher um meinen letzten Post: Schon mal darüber nachgedacht, eine andere Oberfläche für den Blog zu nehmen? Also nichts gegen blogspot, das Design und Co, aber ich denke, mit Wordpress bist Du besser bedient. Das sieht doch alles ein wenig 'schrecklich' und lahm aus?!

    Beste Grüße
    Jonas

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  2. Hm, weißt du, ich ahbe einfach nicht genug Zeit, mit was neuem anzufangen. Wenn ichs recht gesehen habe, hast Du Dein Blog auch neu gestaltet (oder verwechsle ich da was?). Ich kriege das glaube ich einfach nicht gebacken, da zu viel dran rumzuschrauben. Muss als Hauptarbeit definitiv zu viel machen und abends habe ich Gehirnmatsch in der Rübe. Vielleicht, wenn ich mal groß bin :-)

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  3. Ja, ich habe übers Wochenende das vorbereitete, neue Design aufgespielt. Ist zwar alles noch nicht ganz fertig, aber es ist immerhin jetzt 'nutzbar' :D

    Ach, Quatsch, das geht eigentlich recht fix. Zwar ist das feine Abstimmen doch mit viel Aufwand zu betreiben, aber eine normale, kostenlose Oberfläche spielt sich doch recht 'simpel' auf. Schau doch einfach mal im Netz, das geht auch mit Hirnmatsch :)

    Grüße

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